Analoge Kameras: Tipps zum Einstieg

Irgendwann hat fast jeder Fotograf mal Lust, Film auszuprobieren. Man könnte momentan fast von einer Renaissance der analogen Fotografie sprechen: Es werden zwar immer weniger Filme verkauft (Kodak ist schon lange pleite, Fuji stellt die Filmproduktion nach und nach ein), auf der anderen Seite entwickelt sich aber eine recht große Szene von enthusiastischen Filmliebhabern, die „ihr“ Aufnahmemedium mit aller Kraft am Leben halten wollen. Firmen wie Ilford, die diesen Markt verstehen und Produkte für Enthusiasten anbieten, wachsen, immer mehr Leute zeigen Interesse an Dunkelkammer-Techniken.
Will man nun in die analoge Fotografie einsteigen, gibt es eine Vielzahl an Kameratypen, die dafür in Frage kommen. Ich werde sie hier aufzählen und Vor- und Nachteile eines jeden Typs erklären. Film gibt es in vielen verschiedenen Größen: Halbformat, 35mm, Mittelformat, Großformat. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem gängigsten dieser Standards, 35mm, auch 135 oder Kleinbild genannt.

Kompaktkameras

Wie in der digitalen Welt gab es zur Zeit der analogen Fotografie billige, kleine Kameras für die Massen. Wahrscheinlich haben Sie irgendwo zuhause noch eine in einer Lade liegen. Und genau wie in der digitalen Zeit reicht das Angebot hier von der billigen Knipse, die man auf Flohmärkten hinterhergeworfen bekommt zum Premiummodell wie die Ricoh kompaktkameras, die mittlerweile kaum mehr unter 200 Euro zu haben ist.

Analoge Kompaktkamera

© Darius Kromoser

Erstere sind normalerweise vollautomatisch, letztere meistens zumindest mit einer Belichtungskorrektur ausgestattet. Ältere Kompaktkameras wie die Olympus 35RC verfügen über vollkommen manuelle Kontrolle. Natürlich komponiert man sein Bild bei einer analogen Kamera nicht auf einem Bildschirm auf der Rückseite; die allermeisten Analog-Kompaktkameras haben einen Sucher.

Kompaktkameras gibt es mit Zoom-Objektiven oder mit Festbrennweiten. Kameras mit Festbrennweiten liefern im Allgemeinen schärfere Bilder, solche mit Zoomlinsen sind etwas bequemer in der Verwendung.
Viele modernere Analog-Kompaktkameras verfügen über einen Autofokus, was in diesem Fall ein sehr sinnvolles Feature ist. Kameras mit manuellem Fokus müssen über den Sucher fokussiert werden, was nicht jedermanns Sache ist.

Anders als bei digitalen Kompaktkameras ist allerdings die Bildqualität von analogen fast gleichzusetzen mit der von Spiegelreflkexkameras; da sich alle Kleinformat-Analogkameras des gleichen Filmmaterials bedienen, kommt der einzige Bildqualitäts-Unterschied von Seiten der Linse. Eine Kompaktkamera kann also ein wundervoller Einstieg in die Welt der analogen Fotografie sein.

Messucher-Kameras mit Wechselobjektiv

Eine Besonderheit der analogen Ära ist die relativ weite Verbreitung von Kameras mit Messucher und Wechselobjektiven. Sie bilden das Äquivalent der heutigen spiegellosen Kameras, sind klein und handlich, stehen aber in der Bildqualität Spiegelreflexkameras um nichts nach. Klassisches Beispiel für die Messucherkamera mit Wechselobjektiven ist die ikonische Leica M, die mitllerweile aber in jeder Generation Sammlerwert hat und für den Normalsterblichen kaum leistbar ist.

Eine billigere Alternative kann eine Kamera der Zeiss Ikon-, Contax G- oder Voitgländer Bessa-Serie sein. Diese Kameras haben noch nicht ganz den Legendenstatus der Leica M erreicht und sind deshalb meist billiger, verfügen aber auch über eine loyale Fangemeinde. Die Contax G-Serie verfügt als einzige Kamera dieses Typs über Autofokus.

Analoge Kamera mit Messsucher

© Darius Kromoser

Spiegelreflexkameras

Analoge Spiegelrelfexkameras gibt es wie Sand am Meer und in allen Farben, Größen und Formen. Eine Unzahl an verschiedenen Objektivsystemen waren hier schon im Einsatz. Für Besitzer einer digitalen Spiegelreflex lohnt es sich, in ein Kamerasystem zu investieren, dass moderne Linsen annimmt. Analoge Canon EOS-Kameras sind fast uneingeschränkt mit modernen Objektiven kompatibel und enorm billig, gut erhaltene Einsteiger-Exemplare kosten selten mehr als 30 Euro. Auch analoge Nikon-Kameras sind mit modernen Objektiven kompatibel, allerdings oft nur mit solchen, die einen Blendenring besitzen. Mehr zu diesem Thema finden sie hier. Viele modernere Minolta-Kameras sind mit heutigen Sony Alpha-Linsen kompatibel.

Aber auch andere Kamerasysteme sind eine Investition wert, beispielsweise Canons FD-, Olympus‘ OM- oder Contax’/Yashicas C/Y-System. Ältere Objektive gibt es in jeder Preis- und Qualitätsklasse und lasen sich mit einem Adapter oft an moderne DSLRs schrauben. Auch hier gibt es einige Kompatibilitätsprobleme, die sich aber mit einem Blick auf diese Tabelle vermeiden lassen. Im Allgemeinen gilt: Ist das Auflagemaß des Objektivs größer als das der Kamera, lässt sich die Linse adaptieren.

Eine kleine Anmerkung zu Batterien

Nichtmechanische Kameras brauchen Strom, um zu funktionieren. Die meisten moderneren Fotoapparate akzeptieren auch heute noch geläufige Batteriegrößen, ältere Geräte können aber nach Batterien in heute nicht mehr geläufigen Größen oder Spannungen verlangen. Vergewissern Sie sich vor dem Kauf einer alten Kamera, dass passende Batterien einerseits überhaupt noch verkauft werden und wie viele diese kosten; Exotische Batterien können ein vermeintliches Schnäppchen zu einem teuren Spaß werden lassen.

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