Interview mit Manfred Voss Sieger in der Kategorie „Landschaften“ beim CEWE Photo Award 2021

Die herausragende Aufnahme „Frozen Lighthouse“ von Manfred Voss wurde beim CEWE Photo Award 2021 zum Sieger in der Kategorie Landschaft gekürt. Lesen Sie im Interview mehr zur Entstehungsgeschichte des Fotos.

Was bedeutet der CEWE Photo Award für Sie? Und wie fühlt es sich an, nun im Finale der zehn besten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu stehen, aus denen dann der Hauptgewinner oder auch die Hauptgewinnerin bestimmt wird?

Natürlich absolut großartig. Wenn man eine E-Mail bekommt, in der einem eine solche Platzierung mitgeteilt wird, kann man es allerdings im ersten Moment noch gar nicht richtig fassen. Zumindest bei mir war es so: Erst einige Stunden später habe ich langsam begriffen, dass ich tatsächlich eine so tolle Platzierung erreicht habe und im Finale stehe.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich erst in diesem Jahr beziehungsweise zum Ende des letzten Jahres von diesem Wettbewerb erfahren habe. Das Thema und die unkomplizierte Teilnahme haben mich dann dazu motiviert, teilzunehmen.

Nun, wo ich im Finale stehe, ist mir erst die eigentliche Größe und Bedeutung des Wettbewerbes bewusst geworden. Es sind so viele unglaublich gute und ausdrucksstarke Bilder eingereicht worden. Ich denke daher, dass auch eine große Portion Glück dabei war, hier so weit nach vorn zu kommen.

War das Wettbewerbsmotto „Our world is beautiful“ für Sie in diesem besonderen Jahr 2021 auch eine Art Inspiration? Etwa für die fotografische Suche nach dem Schönen in der Welt? Oder bedeutet das Motto für Sie etwas gänzlich anderes?

Das Motto „Our world ist beautiful“ könnte man als das Motto meiner Fotografie bezeichnen. Ich versuche bewusst die Schönheit und Einzigartigkeit unserer Welt in Bildern festzuhalten. Gerade in der Landschaftsfotografie ist dies nicht besonders schwer, da unsere Erde einfach wunderschön ist.

Dazu gehören sowohl einzigartige Momente wie zum Beispiel der vereiste Leuchtturm, Milchstraßenbilder, Aufnahmen von Vulkanen oder aber auch ganz normale Bilder von Sonnenaufgängen an der Ostsee.

Das ist wahrscheinlich für die meisten Landschaftsfotografen ein sehr großes Glück und Antrieb zugleich: Diese Momente selbst zu erleben, zu fotografieren und letztlich auch anderen zeigen zu können.

Lassen Sie uns an der Entstehungsgeschichte Ihres Fotos teilhaben: Welche Herausforderung war während des Fotografierens die größte? Und wie haben Sie diese gemeistert?

Ich glaube bei Bildern von besonderen Wetter-Ereignissen gibt es immer nicht planbare Momente und Begebenheiten, die es dann vor Ort zu meistern gilt. Wie nah gehe ich an einen Wasserfall oder einen Vulkan heran? Wie lange fotografiere ich noch bei nahendem Schneesturm, bevor mir Schneeverwehungen den Weg zurück abschneiden?

Im Falle meines Fotos war es sicher das Eis, welches die eigentliche Herausforderung war. Eine gute Woche lang hatten wir hier oben an der Ostsee starken und beständigen Sturm aus Nordost mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Dadurch schlugen die hoch auftürmenden Wellen mit großer Wucht auf die Hafenanlage in Sassnitz sowie den Sassnitzer Leuchtturm, um wenig später beim Ablaufen dann zu Eis zu gefrieren.

Nach einer Woche war auch bei uns in Schleswig-Holstein die Ostsee mit ihren Stränden und Brücken so stark vereist, dass ich mich fragte: Wie sieht wohl der Leuchtturm in Sassnitz jetzt aus? So entschloss ich mich sehr kurzfristig und spontan gleich am ersten Tag nach der ersten Wetterberuhigung die knapp vierstündige Fahrt nach Sassnitz anzutreten, um mir den Leuchtturm dort anzuschauen.

Dort angekommen, wartete eine bizarre Eislandschaft auf mich. Was ich nicht wusste, war, dass nicht nur der Leuchtturm, sondern auch die gesamte Mole der Hafenanlage unter einer dicken Eisschicht begraben lag. Um zum Leuchtturm zu kommen, benötigt es auch in Sommerzeiten einen ca. 15-minütigen Fußmarsch über die Mole. Die war nun aber so gut wie nicht passierbar. Da es noch hell war, konnte man sich aber vorrausschauend auf dem Eis vorantasten – so brauchte ich dann doch nur ca. 40 Minuten bis zum Leuchtturm.

Am nächsten Morgen, als dieses Bild entstand, gab es dann noch eine weitere Hürde zu meistern: die Challenge bestand nun darin, auch bei Dunkelheit bis zum Leuchtturm zu kommen. Anders als am Abend zuvor war es „on Location“ nun so dunkel, dass man per Kopflampe nur ein paar Meter weit schauen konnte. Zudem hatte am Tag zuvor die Sonne geschienen und so die oberen Eischichten angetaut. Das nun in der Nacht wieder gefrierende Wasser belegte die Oberflächen zusätzlich mit einer spiegelglatten Eisschicht.

Solche Situationen sind im Grunde nicht ungewöhnlich bei der Landschaftsfotografie, denke ich. Für mich besteht daher der Wert eines Fotos nicht nur in dem gelungenen Bild an sich, sondern immer auch in der schönen und oft auch spannenden Reise dahin.

Das Siegerbild „Frozen Lighthouse“ von Manfred Voss

Wie verlief die Erstellung und welche Ausrüstung haben Sie dafür benutzt?

Mir war es wichtig, über die Steine hinweg zu fotografieren, damit der Leuchtturm nicht zu sehr von den vereisten Steinen verdeckt wird. Hierzu habe ich eine erhöhte Position auf den Steinen eingenommen. Um sie im Vordergrund im Verhältnis zum Leuchtturm nicht zu groß wirken zu lassen, habe ich mich weit zurückgestellt und den Leuchtturm mit einem Teleobjektiv (Kamera: Nikon D850 , Objektiv Nikkor 70-200 f2,8) fotografiert.

Warum haben Sie schließlich genau dieses Bild ausgewählt?

Die Vergänglichkeit und die damit verbundene Einzigartigkeit des Motives gefallen mir am Bild ganz besonders. Es war beeindruckend zu sehen, was für eine schöne Eisskulptur die Natur aus diesem von Menschen gemachten Leuchtturm geformt hat.

Welchen Stellenwert hat die Fotografie im Allgemeinen für Sie? In welcher Weise hat Sie beispielsweise bislang Ihr Leben begleitet?

Ich fotografiere schon seit meiner Kindheit. Anfangs noch analog, später dann digital.

Die Fotografie ist dabei für mich ein Ausgleich zur Hektik und Zeitnot unserer modernen Welt. Wenn ich fotografiere, bin ich vollkommen bei mir. Ich kann alles um mich herum ausblenden und das über Stunden.

Auch wenn einem das Aufstehen zum Sonnenaufgang im Sommer wahrlich schwerfällt, so sind es immer genau diese Momente der Ruhe und Stille in der aufwachenden Natur, die mich besonders faszinieren und mir auch nach Jahren noch in schöner Erinnerung bleiben.


CEWE steht für berührbare Fotoprodukte wie das CEWE FOTOBUCH. Welchen Wert hat für Sie selbst ein Foto, das Sie in die Hände nehmen können? Und was machen Sie aus Ihren eigenen Bildern?

Ich habe schon einige Fotobücher von meinen Reisen gemacht. Ein Fotobuch lässt die schönen Erinnerungen wieder aufleben.

Meine Bilder kann man auf verschiedenen Online-Plattformen erwerben. Ich finde, es ist eine ganz besondere Wertschätzung für das Bild und sein Motiv, wenn es ausgedruckt und an die Wand gehängt wird. Der Moment, in dem man ein solches Bild auspackt und es das erste Mal in Augenschein nimmt, ist dabei immer wieder unbeschreiblich. Auch bei mir zu Hause hängen einige meiner Bilder ausgedruckt an den Wänden.

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